Wolfenbüttel-Blog: Das Weblog von Wolfenbüttelern für Wolfenbütteler

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Mi
10
Okt '07

STADTBAD OKERAUE

…oder The Last Generation.

The Last Genaration,

damit meine ich unsere lieben Mitbürger die schon die 40 Jahre überschritten haben hier in unserer Stadt Wolfenbüttel.

Ich bin ein leidenschaftlicher Schwimmer und gehe drei mal die Woche in das Stadtbad Okeraue in Wolfenbüttel. Was ich dort  erleben muß, ist wirklich unfassbar und könnte auch einem Monty Pyton Film entsprungen sein. Dort tummeln sich pöbelnde Omas und Opas und die gegenseitig versuchen sich das Leben zur Hölle zu machen. Schon 10 min. vor Öffnung des Bades wird sich darum gestritten wer als erstes reinkommt (ich verstehe das, Rentner haben nicht mehr so viel zeit).Danach beginnt der Kampf um die Umkleideräume, dort erfährt man dann den neusten stand der dinge über Oma Gisela ob man nun will oder nicht(weil es quer über alle umkleide Kabinen geschrien wird). Jetzt beginnt die Erstürmung des Beckens, es wird gemeckert und gepöbelt was die Lunge hergibt. Wenn man es nicht erlebt hat kann man es nicht glauben, es wird geschubst und mit Wasser gespritzt das es nur so eine Freude ist. Wenn sich der Sturm gelegt hat und sich jeder seine bahn erkämpft hat, wage auch ich den Sprung in das warme nass umgeben von älteren Menschenschweis, Haarsprayduft und Deo-resten (weil der Modische Rentner von heute vor den baden nicht duschen geht um seine Frisur nicht zu zerstören).Ich schwimme meine bahnen und bin jedes mal froh diesen Horror entkommen zu sein.

So
10
Sep '06

Nachruf und Vorwurf

Nachruf und Vorwurf

Nachdem ich in Leipzig, Merseburg, Potsdam, Berlin und Glienicke lebte, “war” ich in Wolfenbüttel und muß sagen: lange war ich ja nicht hier nur ca. 1 1/2 Jahre, aber die reichen aus, um zu sagen: “Viel hat man in diesem lausigen Nest nicht verloren”. Das liegt weder an den einfachen Menschen, die da leben, noch an der schönen Innenstadt mit ihren schönen Fachwerkhäusern, sondern eher an denjenigen, die in Wolfenbüttel glauben, die neuen Herren und Nachfolger von Herzog Heinrich dem Wunderlichen zu sein und sich aller Wahrscheinlichkeit nach einreden große Kulturschaffende darzustellen.

Ob es damals auch soviel Korruption und Fetternwirtschaft gab, weiß ich nicht. Aber eins ist sicher; die Großen der Weltgeschichte mit denen sich Wolfenbüttel zu schmücken pflegt, hat es auch nicht all zu lang in Wolfenbüttel gehalten.

Den einen, Giacomo Casanova, gerademal 8 Tage. Gotthold Ephraim Lessing verwaltete Bücher und mußte die Wolfenbütteler ersteinmal darauf bringen, das sich wichtige und interessante hochmittelalterliche Werke in ihrer Bibliothek befinden und war dann wieder verschwunden. Für Wilhelm Busch reichte Wolfenbüttel gerade mal für die Sommerfrische und auch nur, wegen einem guten Freund, den er besuchte. Dieser war und ist aber leider für Wolfenbüttel nicht wichtig genug. Und zu guter letzt Gottfried Wilhelm Leibniz, der mehr von seinem Amt her auf dem Papier, als mit Leib und Seele in Wolfenbüttel weilte.

Kurzum in Wolfenbüttel ist alles etwas mehr Makulatur, mehr Schein als Sein. Vieleicht sollte sich Wolfenbüttel mehr auf das, was es wirklich hat, auf sich und seine Einwohner mit ihren künstlerischen und geistigen Potenzialen besinnen, als von großen Menschen der Geschichte, die schon lange tot sind, zu leben und zu träumen, denn letztendlich hatten sie für diese Stadt nicht wirklich etwas übrig. Wolfenbüttel ändere Dich, denn sonst wirst Du mit deinen, an den Haaren herbeigezogenen Geschichtlein, einfach von der Geschichte verschluckt.

der Schlemihl